+++  Einwohnerzahlen am 30. Juni 2016  +++     
     +++  Jugendkonferenz "Denk mit!  +++     
     +++  Geschenke für die Erstklässler  +++     
RSS-Feed   Teilen auf Facebook   Teilen auf Twitter   Teilen auf Google+   Als Favorit hinzufügen   Link verschicken   Drucken
 

Kulturwoche Röslau 2017 - Bericht Frankenpost - Autor: Gerd Pöhlmann

Röslau, den 15.03.2017

Luther an der Wand und Musik im Ohr

Die Kulturwoche in Röslau widmet sich dem Jubiläum der Reformation. Dieter Hempel präsentiert bei der Eröffnung alte Aufnahmen der Gesangvereine.

Röslau - Hier steht er nun, der Luther, anders kann er einfach nicht. Noch weniger im Lutherjahr, das kräftig auch auf die Röslauer Kulturwoche abfärbt. Mit einer Ausstellung über Martin Luthers Leben und Wirken eröffneten Bürgermeister Torsten Gebhardt, sein Stellvertreter Kurt Lederer, Pfarrer Johannes Lindner und Gabriele Neubert, die Vorsitzende des Kulturausschusses, die Kulturwoche.

"Here I stand" heißt die Ausstellung, die im vergangenen Jahr für Museen in den USA konzipiert worden ist. Sie ist in dieser Woche im Bürgerhaus Röslau zu sehen. Die Plakate erzählen Luthers Geschichte, von seinem Leben und Wirken, aber auch von den Widersprüchen und dem streitbaren Reformator, der, wie Pfarrer Johannes Lindner sagte, trotz allem in der mittelalterlichen Welt und deren Ansichten verhaftet gewesen ist und nicht nur gegen Papst und Bauern, sondern auch gegen Türken und Juden hetzte. Trotzdem: "Die Reformation ist ein Jahrtausendereignis, ausgelöst durch Luther", sagte Lindner. Sie habe nicht nur Einfluss auf die Religion gehabt, sondern auch auf Kultur, Politik und Kommune. Daher sei es ganz richtig, dass sich die Röslauer Kulturwoche diesem Ereignis widme. Deutschland sei das Lutherland, sagte der Pfarrer. Wenn die Deutschen in dem Verdacht stünden, mehr zu arbeiten oder mehr Geld anzusparen als andere, wenn die Deutschen viele Orchester unterhielten und über den zweitgrößten Buchmarkt der Welt verfügten, dann seien das alles Auswirkungen von Luthers Tun vor 500 Jahren.

"Was wir Kultur nennen, hängt mit der Reformation zusammen", sagte Johannes Lindner. So gebe die Ausstellung dem Betrachter Aufschluss darüber, woher wir kommen. "Aus der Geschichte lernen wir für die Zukunft." Anregungen dazu sollten die Plakate der Ausstellung liefern.

"Aber das Reformationsjubiläum ist kein Heldengedenken", warnte der Geistliche. Statt die Abgrenzung zur katholischen Kirche zu vertiefen, gelte es, der Ökumene den Weg zu bereiten. Luther selbst habe ja auch nicht die Kirchenspaltung im Sinn gehabt, sondern sich am Einfluss der Kirche auf Macht und Geld gestoßen. "Martin Luther wollte zurück zur Bibel", erklärte Lindner. Ganz nebenbei habe die Reformation den, wenn auch mühsamen Weg zur Glaubensfreiheit geebnet. "Heute wissen wir, wie wichtig das ist", sagte Johannes Lindner.

Nachdem die Gäste auf die Kulturwoche angestoßen hatten, eröffnete Torsten Gebhardt das Buffet. "Luther hätte das gefallen, er war leiblichen Genüssen nicht abgeneigt", kommentierte der Bürgermeister.

Der zweite Teil des Eröffnungsabends war dem "singenden Dorf" Röslau gewidmet. "Mundart und Volksmusik" hatte Kreisheimatpfleger Dieter Hempel seinen Vortrag überschrieben. Doch anders als bei der Röslauer Kulturwoche üblich, hatte er dieses Mal keine Musikanten eingeladen, sondern präsentierte stattdessen Volksmusik aus der Konserve. Bilder und Tonaufnahmen aus den 1980er-Jahren hatte Dieter Hempel ausgegraben und damit offensichtlich den Nerv des Publikums getroffen. Auch beim Betrachten der Fotos gab es ein großes Hallo - wie sich doch die Gesichter im Laufe der Jahrzehnte verändert hatten. Manche der Sänger sind mittlerweile schon verstorben. Auf jeden Fall wurden viele Erinnerungen geweckt.

Dieter Hempel steuerte Wissenswertes zu den Liedern, Texten und Komponisten bei, berichtete von Aufnahmen und stellte auch seine Lieblingsstücke vor: "Wer das ,1 mal 1' vom Neiberts Heiner einmal gehört hat, wird es nie wieder vergessen." Dass Dieter Hempel vor vielen Jahren einen professionellen Toningenieur engagiert hatte, zahlte sich aus, wie die Qualität der Aufnahmen der Röslauer Gesangvereine bewies. "Noch nie klangen die Wilden so gut wie heute", sagte der Kreisheimatpfleger schmunzelnd.

 

Autor: Gerd Pöhlmann Quelle Frankenpost

Auf dem Bild: Pfarrer Johannes Lindner, Bürgermeister Torsten Gebhardt, zweiter Bürgermeister Kurt Lederer und Kulturausschussvorsitzende Gabriele Neubert (von links) eröffneten mit einer Martin-Luther-Ausstellung die Kulturwoche. Foto: Gerd Pöhlmann